Montessori-Pädagogik

Die Pädagogik der italienischen Ärztin Maria Montessori (1870-1952) ist international bekannt und wird in zahlreichen Einrichtungen umgesetzt. Weltweit verstehen sich ca. 22.000 Schulen und Kinderhäuser als Montessori-Einrichtung. In Deutschland gibt es mit wachsender Tendenz rund 600 Kinderhäuser und 400 Schulen, die nach den von der Reformpädagogin entworfenen didaktischen Prinzipien arbeiten bzw. die Pädagogik mit Engagement und einem fachkundigen Blick für das einzelne Kind weiterentwickeln.

 

Kinder brauchen in ihrer Entwicklungen Menschen, die sie begleiten und die ihnen ein Angebot schaffen, das ihren individuellen und aktuellen Entwicklungsbedürfnissen entspricht. In der vorbereiteten Umgebung werden Entwicklungsmaterialien bereitgehalten und dem Kind dann angeboten, wenn es motiviert und interessiert an einem Thema arbeiten möchte. 

 

Montessori-Pädagogik steht für einen bedürfnisorientierten Bildungsweg des Kindes, für freiheitliches Lernen, für eine achtsame Begleitung des Kindes. Montessori-Pädagogik ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Der bekannte Ausspruch „Hilf mir, es selbst zu tun!“ ist zu einem pädagogischen Markenzeichen der Montessori-Pädagogik geworden. Er steht für verantwortete Freiheit.

Als Maria Montessori nach Bergedorf kam

Um es gleich vorweg zu nehmen – nein, Maria Montessori ist nie in Bergedorf gewesen. Aber ihre Ideen, ihre Pädagogik, das Material und die Haltung zum Kind sind schon seit vielen Jahrzehnten hier in Bergedorf lebendig.

 

Ein Blick zurück in die Geschichte:

 

Bereits zum 1. Juni 1949 hat Frau Hildegard Mewes beim Bezirksamt Bergedorf einen „Ersatz-Gewerbeanmeldeschein zum Betrieb eines Kindergartens im Reinbeker Weg 66“ gestellt. Gegen eine Gebühr von 1,- DM erhielt sie von Abteilungsleiter Mückenheim das entsprechende Dienstsiegel. Später wurde der alte Gewerbeanmeldeschein geändert, da es zu verschiedenen Verlegungen der Betriebsräume kam:

14. August 1959 – (Straßenname unleserlich) 26

26. Juni 1961 – Wentorfer Str. 39

9.2.1967 – Steinkamp 15

 

Der Name Hildegard Mewes bleibt bis zum 31. März 1985 - dem Tag ihres Eintritts in den Ruhestand - eng und unmittelbar mit der Montessori-Pädagogik in Bergedorf verknüpft. Sie war die treibende Kraft für die Gründung, die Führung und den Erhalt des Montessori-Privatkindergartens. Er wurde deshalb in der Presse der damaligen Zeit auch liebevoll „Mewes-Kindergarten“ genannt.

 

Aus verschiedenen, selbst verfassten Aufsätzen, engagierten Zeitungsartikeln und anderen Veröffentlichungen wird deutlich, wie sehr diese Bergedorfer Pädagogin, die am 6. November 1971 in Frankfurt am Main das Montessori-Diplom erwarb, für die Sache Montessoris brannte und deren konkrete Umsetzung in ihrem Kindergarten Tag für Tag lebte.

 

Mit Hildegard Mewes‘ Ausscheiden endete auch der Status des Privatkindergartens, der bis dahin ausschließlich durch Elternbeiträge und ohne jede behördliche Unterstützung finanziert wurde. Zum 1. April 1985 wurde der „Verein zur Förderung eines Kindergartens nach Montessori Bergedorf e.V.“ gegründet.

 

Die zuletzt bezogenen Räume im Steinkamp 15 erwiesen sich als zu eng und zudem gab es nur einen befristeten Mietvertrag, so musste der Verein sich nach neuen Räumen umsehen. Nicht ganz einfach. Kindergärten waren auch schon damals nicht unbedingt gewünschte Nachbarn…

 

Nach langem Suchen wurde eine neue Bleibe gefunden: Im Juni 1991 zogen alle zusammen in den Glindersweg 25 um. 

 

Nach beinahe 20 Jahren Montessori Kinderhaus im Glindersweg kam dann „die große Arbeit“ – ein Umzug mit neu zu gestaltenden Räumen, Vergrößerung und Ausbau des Betreuungsangebotes und jeder Menge Elternpower!

 

Die Gebäude der ehemaligen Friedhofsverwaltung in der August-Bebel-Straße 200 wurden ab dem Herbst 2010 das neue Zuhause für unser Montessori Kinderhaus in Bergedorf und sind es bis heute.

 

So befinden wir uns nun in unmittelbarer, unkomplizierter und freundlicher Nachbarschaft zur Montessori Schule! 

 

Heute betreuen wir hier im Kinderhaus mehr als 50 vielfältige und wunderbare Kinder in einer Krippen- und zwei Elementargruppen. Zwei Erzieherinnen sind jeweils für eine Gruppe verantwortlich und begleiten die Kinder durch den Tag. Drei Vertretungskräfte unterstützen das Team in Krankheits- und Urlaubszeiten. Alle Mitarbeiterinnen haben das Montessori-Diplom bzw. befinden sich aktuell in der entsprechenden Ausbildung.

Das alte Haus hat Charme und Geschichte, das Außengelände ist großzügig und ideenreich gestaltet, die Atmosphäre familiär und freundlich – herzlich willkommen!

 

Anke Freygang (Leiterin des Kinderhauses)

Hamburg im Juni 2017